Philosophicum Hohenkarpfen – 24. Oktober 2026
3. Symposium für angewandte Philosophie
THEMA
Nähe und Fremdheit – Zum Verhältnis des Menschen zur Welt
Das diesjährige Philosophicum am Hohenkarpfen widmet sich einem Thema, das den Menschen in seinem Verhältnis zu sich selbst, zu anderen und zur Welt auf grundlegende Weise betrifft: der Spannung von Nähe und Fremdheit.
Dieses Verhältnis ist nicht nur eine Frage des Denkens oder Erkennens, sondern immer auch des Fühlens. Die Welt begegnet uns nicht als bloße Ansammlung von Tatsachen, sondern sie erscheint uns in bestimmten Stimmungen, Atmosphären und Gefühlen: als vertraut oder unheimlich, als anziehend oder abweisend, als bergend oder fremd. Gefühle sind dabei nicht bloß innere Zustände, sondern Weisen des Weltbezugs. Sie eröffnen oder verschließen uns die Welt, sie lassen Nähe entstehen oder halten Fremdheit aufrecht.
Wann fühlen wir uns der Welt verbunden, wann erleben wir Distanz oder Entfremdung? Wie prägen verkörperte Gefühle unsere Erfahrung von Wirklichkeit? Welche Rolle spielen Selbstverhältnisse, Verletzlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen dafür, ob uns die Welt als zugänglich oder als fremd erscheint? Und was geschieht, wenn sich der Weltbezug verengt, etwa in Formen des Narzissmus oder in Erfahrungen des Verlusts von Resonanz?
Das dritte Philosophicum am Hohenkarpfen lädt dazu ein, diesen Fragen im gemeinsamen Gespräch nachzugehen. Aus philosophischer Perspektive sollen Gefühle als eine grundlegende Dimension des menschlichen Weltverhältnisses in den Blick genommen werden – als Medium von Nähe, als Ausdruck von Fremdheit und als Schlüssel zum Verständnis unseres In-der-Welt-Seins.
Den philosophischen Auftakt bildet Dr. Zlatko Valentić mit dem Vortrag Politische Stimmungen – Wie Stimmungen unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit formen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Stimmungen unseren Zugang zur Welt prägen und politische Wahrnehmungs- und Urteilsformen mitbestimmen.
Der Hauptvortrag von Prof. Thomas Fuchs, Das unersättliche Selbst – Narzissmus und Kultur in der Gegenwart, richtet den Blick auf gegenwärtige Formen gestörter Weltbeziehung und auf die Frage, wie sich Nähe und Fremdheit unter den Bedingungen moderner Selbstverhältnisse verschieben.
Eine künstlerische Intervention von Prof. Gabi Schillig, On Softness – Eine räumlich-leibliche Annäherung an Nähe und Fremdheit, eröffnet darüber hinaus einen ästhetischen Zugang zum Thema, in dem sich Weltverhältnis nicht nur denken, sondern auch räumlich und leiblich erfahren lässt.
Auch in diesem Jahr freuen wir uns auf anregende Gespräche, neue Perspektiven und einen lebendigen Austausch in der besonderen Atmosphäre des Hohenkarpfen.

